< Klimawandel bedroht genetische Vielfalt der europäischen Pflanzenwelt
09.09.2019 Von: Dr. Daniel Fleiter

Dissertation zu Folgen des Klimawandels mehrfach ausgezeichnet

Gleich vier unterschiedliche Ehrungen erhält Nachwuchswissenschaftler Moises Exposito-Alonso für seine Dissertation zu den Folgen des Klimawandels für die Pflanzenvielfalt in Europa.


Tübingen, 9. September 2019. Moises Exposito-Alonso wird für seine Dissertation am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen vierfach ausgezeichnet.

Zentrale Fragestellung seines Forschungsvorhabens war, ob pflanzengenetische Mutationen von Nachkommen einer bestimmten Pflanzenart die Fitness zum Fortbestand auch unter Extrembedingungen eines sich in Europa zunehmend verändernden Klimas haben.

Hierzu untersuchte er Populationen der kleinen Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), eine für Forschungszwecke in der Biologie sehr häufig verwendete Modellpflanze, die er von über 500 geographischen Standorten in Europa zusammentrug und in Gewächshäusern in Spanien und Deutschland auf ihre Anpassungsfähigkeit an Hitze und Trockenheit hin untersuchte.

„Einige pflanzengenetische Mutationen sind aufgrund ihres regionalen Ursprungs unter sich verändernden klimatischen Bedingungen im Vergleich zu ihren Artgenossen im klaren Vorteil“, so Exposito-Alonso. „Ein wesentlicher Schwerpunkt meiner Dissertation war deshalb, die verschiedenen Genvarianten einer Pflanzenart anhand ihrer individuellen Robustheit unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen einzuordnen.“     

Exposito-Alonso fand heraus, dass Populationen der kleinen Ackerschmalwand, die in bestimmten Regionen Europas häufiger extremen Wetterbedingungen ausgesetzt waren und im Laufe ihrer Evolution auch eine bessere Fitness erwarben, auch simulierte Extrembedingungen von Hitze und Dürre besser überstehen.

Die aus den Feldversuchen gewonnen Daten kombinierte Exposito-Alonso mit Modellen zur Klimaentwicklung der kommenden Jahrzehnte. Auf diese Weise konnte er untersuchen, wie zukünftige Temperatur- und Niederschlagsveränderungen auch die genetische Vielfalt dieser Pflanzen verändern.

„Angesichts der in den Modellen prognostizierten sinkenden Regenmengen und vor allem in den klimatischen Randzonen des Mittelmeeres und Nordeuropas steigenden Durchschnittstemperaturen, besitzen viele dieser in Zentraleuropa heute heimischen Pflanzen nicht die idealen genetischen Voraussetzungen, um überleben zu können“, so Exposito-Alonso weiter.

Mit seiner Arbeit liefert Exposito-Alonso einen wichtigen Beitrag, weiterführende Aussagen über die Biodiversität in Europa unter sich verändernden klimatischen Bedingungen treffen zu können.

Die Forschungsarbeit wurde mit dem Leopoldina Preis für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet. Diese mit 5.000 EUR dotierte Ehrung erfolgt alle zwei Jahre für herausragende Arbeiten. Zudem erhielt er den Promotionspreis der Reinhold und Maria Teufel Stiftung für herausragende Dissertationen in den Naturwissenschaften, der ebenfalls mit 5.000 EUR Preisgeld verbunden ist. Weitere Ehrungen sind der Wilhelm Pfeffer Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft über 2.500 EUR sowie der Dissertationspreis der Universität Tübingen.

Wissenschaftliche Kontakte:

Carnegie Institution for Science an der Universität Stanford
Moises Exposito-Alonso, Ph.D.
Tel.: +1 510 225 5173
e-Mail: mexpositoalonso(at)carnegiescience.edu

Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie
Prof. Dr. Detlef Weigel
Tel.: +49 7071 601 1410
e-Mail: detlef.weigel(at)tuebingen.mpg.de

Communications:

Max Planck Campus Tübingen
Dr. Daniel Fleiter
Tel.: +49 7071 601-777
e-Mail: daniel.fleiter(at)tuebingen.mpg.de