Offene Türen am Max-Planck-Campus in Tübingen

24.06.2016 13:27
By: Christina Bornschein

Die drei Tübinger Max-Planck-Institute luden zum Tag der offenen Tür, was bei Besuchern wie Mitarbeitern auf positive Resonanz stieß

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik richtete am 18. Juni 2016 gemeinsam mit den Nachbarinstituten, dem MPI für Entwicklungsbiologie, dem MPI für Intelligente Systeme/ Standort Tübingen und dem Friedrich-Miescher-Laboratorium einen Tag der offenen Tür aus: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler boten den Besuchern Einblicke in die aktuelle Forschung und die Arbeit an den Instituten. Rund 1000 Interessierte nahmen das Angebot wahr und kamen zu den Führungen, Experimenten und Vorträgen. 

Im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik erfuhren Besucher, wie Wahrnehmung erforscht wird, was im Gehirn bei optischen Täuschungen passiert oder wie Magnetresonanztomografie funktioniert. Den Wissenschaftlern war es zudem ein zentrales Anliegen, die Notwendigkeit von Tierversuchen in der Grundlagenforschung zu erläutern und live Einblicke in die Tierhaltung zu geben. 

Mitmachexperimente und Vorführungen 

Im Cyberneum wurden Besucher per 3D-Brille in die virtuelle Welt versetzt und konnten auf einem schmalen Brett zwischen zwei Hochhäusern balancieren, um die Höhenangst-Studie als Versuchsteilnehmer selbst ausprobieren. Nebenan gab es größere Gerätschaften zu sehen – dort wurden die Bewegungssimulatoren vorgeführt: der CyberMotion Simulator und der neu entwickelten Seilroboter. 

Wie das Gehirn auf zellulärer Ebene aufgebaut ist, welche Arten von Nervenzellen in welchen Hirnregionen vorkommen, wie sie miteinander verbunden sind und was sie funktionell bewirken können - das konnten Besucher am Anatomiestand mit einem Blick durch das Mikroskop und an echten Gehirnen herausfinden. 

Die Wissenschaftler der Forschungsgruppe „Mensch-Maschine-Interaktionen“ nahmen bei einem Mitmachexperiment die Augenbewegungen, die Muskelaktivität und die Hautleitfähigkeit der Fahrer während einer simulierten Fahrt auf. Die Freiwilligen konnten zudem testen, ob sie bestimmte Aufgaben auch ohne die Hände am Lenkrad bewältigen. 

Wer alles über die Methode MRT erfahren wollte war an dem Samstag genau richtig: Jede halbe Stunde gab es eine Führung zu den Magnetresonanztomografen. Der Leiter des Magnetresonanzzentrums, Prof. Klaus Scheffler, erläuterte zudem in einem separaten Vortrag die Chancen und die Grenzen der Methode, die in der klinischen Praxis heute weit verbreitet ist. An einem Infostand gab MR-Equipment einen Eindruck davon, welche Technik hinter der Methode steckt. Die Besucher konnten sich dort selbst durch MRT-Aufnahmen des Gehirns scrollen und den Wissenschaftlern Fragen zur Forschung stellen. 

Austausch über Tierversuche

Dazu wurde eigens ein Informationsraum eingerichtet, in dem Mitarbeiter des Instituts für Fragen bereitstanden. Die Besucher waren eingeladen, sich in einer virtuellen Führung durch die Tierversuchshaltung ein eigenes Bild zu machen: Während ein Wissenschaftler mit einer Kamera durch die Primatenhaltung ging, wurden die Bilder live auf einer Leinwand im Informationsraum übertragen und per Funkkontakt gesteuert. Die virtuelle Führung fand zweimal statt und wurde von Forschern und der Tierhausleitung des Instituts moderiert. Die Veranstaltung war gut besucht: Über 100 Interessierte nahmen insgesamt teil. Es entstand ein angeregter Austausch, bei dem auch kritische Fragen Platz hatten und den auch die Mitarbeiter positiv erlebten. 

Vorträge im Hörsaal 

Eine bunte Themenmischung rund um die Forschung auf dem Max-Planck-Campus boten die Vorträge im Hörsaal des Max-Planck-Hauses: Dort berichteten die Forscher zum Beispiel über unsere Orientierung in Städten, wie Pflanzen sich an ihre Umwelt anpassen, und ob sich die Entwicklung von Viren vorhersagen lässt. 

Wie finden sich Tübinger in der verwinkelten Innenstadt zurecht? Wie kommen sie zu einem Ziel und woher wissen sie, in welcher Richtung ein bestimmtes Gebäude liegt? Tobias Meilinger erklärte, wie sich Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt orientieren wie dies erforscht wird. Gabriele Lohmann zeigte in einem Vortrag zur MRT die hochkomplexen Bilder der Gehirnnetzwerke, die mit einem der weltweit modernsten Magnetresonanztomografen hier in Tübingen aufgenommen werden. 

Science Slam zum Abschluss 

Der Tag fand mit einem Science Slam, bei dem drei junge Tübinger Wissenschaftler gegeneinander antraten, seinen Abschluss. Im Treppenhaus des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie fand das Publikum Platz und ließ sich davon überzeugen, wie unterhaltsam Wissenschaft ist. Im Gegensatz zum Poetry Slam sind beim Science Slam alle Hilfsmittel erlaubt - ob Präsentationen, Requisiten oder Live-Experimente. Am Ende entscheidet das Publikum, welcher Slammer als Sieger nach Hause geht. Den ersten Platz belegte Wiebke Schick, Doktorandin am Institut für Cognitive Neuroscience der Universtität Tübingen, gefolgt von Aida Peña Blanco und André Maia Chagas. Durch die Präsentationen führte Dong-Seon Chang vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, der bereits selbst umfangreiche Erfahrungen als Science Slammer gesammelt hat und 2015 Deutscher Meister im Science Slam wurde. 

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Tag der offenen Tür am Max-Planck-Campus Tübingen