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28.09.2015

EU-Projekt: Depression und Multiple Sklerose frühzeitig erkennen

Ein im September 2015 gestartetes EU-Projekt soll die MRT-Diagnostik von neurologischen und psychiatrischen Krankheiten verbessern


Tübingen, 29. September 2015. Das EU-Projekt zur Verbesserung der klinischen Diagnostik von neurologischen und psychiatrischen Krankheiten mittels Magnetresonanztomografie (MRT) ist seit September 2015 angelaufen. Dr. Anke Henning, Arbeitsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, leitet die Projektgruppe. Das Projekt wird über fünf Jahre mit insgesamt 3,2 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Es soll Ärzten ein Werkzeug an die Hand geben, um Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Depression frühzeitig und verlässlich mittels Magnetresonanztomografie zu erkennen und die optimale Therapie für jeden einzelnen Patienten auszuwählen. 

Gemeinsam mit Spezialisten im Bereich MRT-Messmethoden und Klassifikationsalgorithmen vom University College London, der Charité Berlin, dem Universitätsklinikum Leiden, der Eberhard Karls Universität Tübingen, der ETH Zürich sowie der Firma Gyrotools Ltd. soll innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Analysetool für Mediziner entstehen. Dieses Werkzeug soll fortgeschrittene und quantitative MRT-Verfahren für die Diagnostik und das klinische Management von Patienten anwendbar machen. 

Bisher wird die Magnetresonanztomografie in Arztpraxen und Krankenhäusern vor allem für die anatomische Bildgebung verwendet: So lassen sich in den MRT-Scans beispielsweise größere Gewebeveränderungen erkennen, die Hinweise auf eine Erkrankung geben. Dies bedeutet aber auch, dass nur Krankheiten sichtbar werden, die mit augenscheinlichen Änderungen der makroskopischen Struktur einhergehen. Oftmals sind aber weder die Diagnose noch die  Verlaufskontrolle des Therapieerfolges eindeutig. 

Durch eine quantitative Auswertung mikrostruktureller, metabolischer und funktioneller Eigenschaften soll es in Zukunft möglich werden, auch unauffälligere Veränderungen des Gehirns zu erkennen. „Wir hoffen, dass dadurch bereits im Frühstadium einer Krankheit die richtige Diagnose ermöglicht wird“, so Anke Henning. „Patientengruppen sprechen unterschiedlich auf bestimmte Therapieverfahren an. Wenn der Patient aber von Anfang an richtig eingeordnet werden kann, könnte man umgehend mit der richtigen Therapie ansetzen.“ Weiterhin soll die Anwendbarkeit von MRT-basierter Diagnostik auf Krankheiten erweitert werden, die lediglich bisher schwer erkennbare metabolische und funktionelle Veränderungen verursachen. 

Die dazu erforderlichen Daten lassen sich mit jedem herkömmlichen MRT-Scanner aufzeichnen. Um diese Daten klinisch nutzbar zu machen, wollen die Projektpartner eine Software erstellen, die die automatisierte quantitative Auswertung von MRT Daten ermöglicht. Die darin enthaltene Information über die makroskopische und mikroskopische Struktur des Gewebes, seine Durchblutung, die Hirnfunktion und den Stoffwechsel soll mittels eines ebenfalls in der Software integrierten Klassifikationsverfahrens helfen, eindeutige Diagnosen zu stellen sowie die bestmögliche Therapie für jeden Patienten auszuwählen. 

Die Projektpartner planen zunächst, diesen Ansatz modellhaft für Patienten mit Depression und Multipler Sklerose zu entwickeln und zu testen. „Anschließend sollen umfangreiche klinische Studien durchgeführt werden, für die die integrierte und automatisierte Auswertesoftware ebenfalls die Grundlage bildet“, plant Anke Henning. „Diese sind die Basis für die Erweiterung des Ansatzes auf eine ganze Reihe weiterer neurologischer und psychiatrischer Krankheiten und letztlich für die routinemäßige klinische Anwendung.“ 

Ansprechpartner:
Dr. Anke Henning
Tel.: 07071 601- 723
E-Mail: anke.henning(at)tuebingen.mpg.de

Christina Bornschein (Presse- & Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: 07071 601-777
E-Mail: presse-kyb@tuebingen.mpg.de

 

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Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 82 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.


Anke Henning, Arbeitsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. (C)privat

Anke Henning, Arbeitsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. (C)privat