Christoph Kayser (32) erhält den Attempto-Preis der Uni Tübingen

15.05.2009 08:00
Von: Susanne Diederich

Tübingen, 15. Mai 2009. Christoph Kayser, der seit Anfang 2008 am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen eine Nachwuchsgruppe zum Thema 'Neuronale Grundlagen der Sinnesintegration' leitet, wurde heute mit dem Attempto-Preis der Universität Tübingen ausgezeichnet. Der mit je 7.500 Euro dotierte Preis wird jedes Jahr an zwei Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich der Neurowissenschaften für herausragende Arbeiten über Hirnleistungen und deren Störungen vergeben. Die Arbeiten müssen an der Universität Tübingen oder an mit der Universität verbundenen Einrichtungen, wie den Tübinger Max-Planck-Instituten, entstanden sein.

Christoph Kayser. Foto: Max-Planck-Institut für biologische KybernetikKayser möchte herausfinden, wie und wo im Gehirn die Information von Seh- und Hörsinn kombiniert wird. In vielen Alltagssituationen wird unsere Wahrnehmung durch die Kombination von verschiedenen Sinnesinformationen verbessert. Bei einer lauten Party verstehen wir eine Person schlecht, wenn ihre Stimme von Hintergrundgeräuschen überdeckt wird.  Können wir jedoch gleichzeitig die Lippenbewegung dieser Person verfolgen, so hilft diese zusätzliche visuelle Information unserem Verständnis enorm. Eine Verbesserung unserer Fähigkeiten durch Sinnesintegration ist nicht nur auf Sprache reduziert, sondern betrifft viele Aspekte unseres Alltagslebens, ohne dass wir dies immer bemerken. Zum Beispiel lernen wir schneller, wenn wir Information nicht nur in einem Sinnessystem präsentiert bekommen, sondern wenn wir die Dinge gleichzeitig sehen, hören und fühlen können. Auf diesem Prinzip beruhen viele Ansätze des multisensorischen Lernens und der Rehabilitation von Schlaganfall Patienten, bei denen die Funktion eines Sinnessystems in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Den Attempto-Preis bekommt Kayser für seine Untersuchungen zur Informationsverarbeitung am Hörsystem (Kayser et al. Neuron 61, 2009). Um verstehen zu können wie die Verarbeitung von akustischen Reizen durch andere Sinnessysteme beeinflusst wird, hat der Diplom-Mathematiker zunächst verschiedene Mechanismen der neuronalen Informationskodierung im Hörkortex verglichen. Dabei zeigte es sich, dass bestimmte Gruppen von Nervenzellen im Gehirn Sinnesinformation gleichzeitig auf verschiedenen zeitlichen Skalen verarbeiten können. Während manche Eigenschaften eines Geräusches, beispielsweise die Tonhöhe, durch schnelle Änderungen der neuronalen Aktivität repräsentiert werden,  werden andere Eigenschaften, wie die Tonintensität, durch langsamere  Änderungen der Aktivität kodiert. Durch diese Verschachtelung ist es einer Gruppe von Nervenzellen möglich durch ihre elektrischen Impulse verschiedene Aspekte ein und desselben Geräusches zu kodieren. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird die Forschergruppe nun die Frage klären, wie diese Verarbeitung von akustischen Reizen durch andere Reize beeinflusst wird.

Ansprechpartner

Dr. Christoph Kayser
Tel: 07071-601-659
E-Mail: christoph.kayser[at]tuebingen.mpg.de

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.


Christoph Kayser. Foto: Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Christoph Kayser. Foto: Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik