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02.02.2016

Was den Wurm zum Parasiten macht

Wissenschaftler identifizieren Gene, die einer Wurmart ihre parasitische Lebensweise ermöglichen


Tübingen, 02.02.2016. Ein internationales Wissenschaftlerteam, darunter auch die Forschungsgruppe von Dr. Adrian Streit vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, hat Gene in Fadenwürmern identifiziert, die wahrscheinlich ausschlaggebend dafür sind, ob ein Wurm ein Leben als Parasit führt oder nicht.

Die Forscher charakterisierten die Genome von sechs verschiedenen Wurmarten (vier Parasiten, eine Wurmart, die parasitisch leben kann, aber nicht zwingend muss, und ein Nicht-Parasit) aus der Verwandtschaftsgruppe des menschlichen Parasiten Strongyloides stercoralis. Sie verglichen diese untereinander und mit bereits bekannten Genomen von anderen parasitischen und nicht parasitischen Würmern. Ziel war es herauszufinden, welche genetischen Unterschiede zwischen parasitischen Wurmformen und freilebenden bestehen, und wann die Gene, die für Parasiten typisch sind, zum Einsatz kommen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die parasitischen Strongyloides-Würmer vor allem für zwei Familien von Proteinen (Astacin-Metallopepdidasen und SCP/TAPS-Proteine) viel mehr Gene besitzen als ihre nicht parasitischen Verwandten. Diese Proteinfamilien wirken bei anderen Parasiten unter anderem auf die Immunantwort des Wirts ein.
Wie bei vielen parasitischen Würmern leben auch Strongyloides in einigen ihrer Entwicklungsstadien nicht als Parasiten. Jeder Wurm muss jedoch im Verlaufe seines Lebens einen Wirt finden und befallen. Viele Mitglieder der in Strongyloides stark vertretenen Genfamilien sind dann auch besonders in jenen Lebensstadien aktiv, in denen die Würmer entweder im einem Wirt leben oder einen neuen Wirt befallen können.

Herauszufinden, welche Gene ausschlaggebend dafür sind, ob ein Wurm ein Leben als Parasit führt oder nicht, kann zur Entwicklung von neuen Medikamenten und Therapien beitragen. Der nächste Schritt ist zu verstehen, was genau diese Gene bewirken.


Originalpublikation:
The genomic basis of parasitism in the Strongyloides clade of nematodes
Nature Genetics doi:10.1038/ng.3495
www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3495.html

Ansprechpartner:
Dr. Adrian Streit
E-Mail: adrian.streit(at)tuebingen.mpg.de

Nadja Winter Press officer (Public Relations)
Phone: +49 7071 601-444
E-Mail: presse-eb(at)tuebingen.mpg.de


Strongyloides papillosus freilebendes Weibchen, etwa1 mm lang (Urheber: A. Streit/ Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie)

Strongyloides papillosus freilebendes Weibchen, etwa1 mm lang (Urheber: A. Streit/ Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie)

Strongyloides papillosus parasitisches Weibchen, etwa 5 mm lang (Urheber: A. Streit/ Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie)

Strongyloides papillosus parasitisches Weibchen, etwa 5 mm lang (Urheber: A. Streit/ Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie)