Nach dem „March“ geht es weiter

Am 22. April nahmen viele Tausende Menschen an Demonstrationen, Museumsbesichtigungen, „Teach-Ins“ und wissenschaftlichen Festivals an Hunderten von Orten auf der ganzen Welt teil, darunter auch mehrere deutsche Städte wie Tübingen.

Mit fast 3000 TeilnehmerInnen war der March for Science (deutsch Marsch für die Wissenschaft) in Tübingen ein voller Erfolg. Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen unterstützten die Veranstaltung. Die TeilnehmerInnen kamen nicht nur aus Tübingen, sondern reisten auch aus Stuttgart und vielen anderen süddeutschen Städten an. Während die Universitäten in Tübingen und Hohenheim durch ihre Rektoren vertreten wurden, befanden sich auch ProfessorInnen und DirektorInnen von diversen anderen Universitäten, Universitätskliniken und unabhängigen Forschungsinstituten wie den drei Max-Planck-Instituten unter den TeilnehmerInnen. Auch Postdocs, AbsolventInnen und StudentInnen, genauso wie viele betroffene BürgerInnen, nahmen an der Veranstaltung teil.

WissenschaftlerInnen sind normalerweise nicht die ersten, die auf die Straßen gehen. Weshalb wagten sich beim March for Science so viele von ihnen in die Öffentlichkeit? Und was hat so viele NichtwissenschaftlerInnen dazu gebracht, sich ihnen anzuschließen? Ein Hauptargument könnte sein, dass eine tiefe Besorgnis über den gefährdeten Status der Wissenschaft in vielen Gesellschaften und Regierungen vorherrscht und deshalb die Menschen veranlasste, ihren Ärger öffentlich kundzutun. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft sagte in München: „In Zeiten, in denen Menschen diesen Planeten so stark verändern wie nie zuvor in der Geschichte, können wir nicht akzeptieren, dass Entscheidungen getroffen werden, ohne dabei auf wissenschaftliche Tatsachen zurückzugreifen!“  

In Tübingen erklärte Detlef Weigel, Direktor des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie und einer der Hauptorganisatoren des March for Science in Tübingen, den Anwesenden, dass man nicht entscheiden könne, welche wissenschaftlichen Fakten man akzeptiert: „Wenn man wissenschaftliche Argumente hervorbringt, um zu argumentieren, dass der Klimawandel gestoppt werden muss, dann kann man sich nicht im selben Atemzug gegen Impfungen aussprechen.“ Die vier HauptrednerInnen, die UniversitätsprofessorInnen Nicholas Conard, Jürgen Wertheimer, Dorothee Kimmich und der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, erinnerten die TeilnehmerInnen daran, dass Wissenschaft komplex ist und dass WissenschaftlerInnen sich für die wissenschaftliche Wahrheit einsetzen müssen, ganz egal ob es sich dabei um eine bequeme Wahrheit handelt oder nicht. Palmer erntete viel Applaus, als er sich abermals für gesetzlich sanktionierte Tierversuche aussprach. Conrad stellte zudem eine passende Verbindung zwischen dem March for Science und den Anfängen des Tages der Erde (englisch Earth Day) her, welcher am selben Tag stattfand.

Die TeilnehmerInnen machten deutlich, dass die Wissenschaft nicht nur zu einem gesünderen Leben, einer sauberen Erde, besseren Arbeitsplätzen, Ernährungssicherheit, guten wirtschaftlichen Verhältnissen und einer besser funktionierenden Gesellschaft durch materielle Produkte und eine stabilere öffentliche Ordnung beiträgt, sondern auch ein besseres Verständnis in Bezug auf unsere Rolle auf dieser Welt schafft. Und Weigel ist überzeugt davon, dass „eine zufriedenstellende Zukunft ohne Wissenschaft in diesem Zusammenhang undenkbar ist. In Zeiten von Twitter und Facebook sind simple Erklärungen oftmals diejenigen, die am ehesten auf Gehör stoßen.“ Und weiter: „Unsere Welt ist jedoch kompliziert und für die meisten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, gibt es keine einfachen Lösungen. Wissenschaft hilft uns jedoch dabei, Lösungen für komplexe Probleme zu finden!“

Text: Detlef Weigel, Beate Fülle