Die Geschichte des Max-Planck-Campus in Tübingen

Wie alles begann

Am Beginn der Tübinger Max-Planck-Institute steht die Verlagerung verschiedener Abteilungen und Arbeitsgruppen der beiden Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI) für Biochemie und Biologie von Berlin-Dahlem in den süddeutschen Raum im Jahr 1943. Sowohl das KWI für Biochemie als auch das KWI für Biologie wurden in den Folgejahren in Tübingen etabliert. Beide Institute sind nachfolgend in der 1948 gegründeten Max-Planck-Gesellschaft aufgegangen. Aus der Abteilung Virusforschung am MPI für Biochemie ist 1954 das MPI für Virusforschung hervorgegangen, das MPI für Biochemie selbst wurde 1956 nach München verlegt. Das MPI für Biologie (Schließung im Jahr 2004) war Ursprung des 1968 gegründeten MPI für biologische Kybernetik.

Von Berlin nach Tübingen:
Die Geschichte des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie

Die ursprünglichen Gebäude des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, noch ohne Fischhaus
Die ursprünglichen Gebäude des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, noch ohne Fischhaus

Die Geschichte des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie beginnt 1937 an den beiden Kaiser-Wilhelm-Instituten für Biochemie und Biologie in Berlin. Damals erkannten Wissenschaftler, allen voran Adolf Butenandt, wie wichtig Viren als Modellorganismen für das Verständnis von biologischen Prozessen sind, und gründeten eine Arbeitsgemeinschaft auf dem Gebiet der Virusforschung. 1941 folgte die Gründung einer eigenen Arbeitsstätte für Virusforschung in Berlin-Dahlem, die 1943 nach Tübingen verlegt und 1954 zum Max-Planck-Institut für Virusforschung ausgebaut wurde.

Es war eines der ersten Institute der neu etablierten Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Das Institut erzielte große Erfolge in der Forschung und wuchs stetig. Schließlich mussten neue Gebäude errichtet werden. 1960 zog das Institut an seinen heutigen Standort in der Spemannstraße 35 um.

Über die Jahre verschob sich der Forschungsschwerpunkt von der Virusforschung zur Untersuchung der Entwicklungsprozesse der Lebewesen. Daher wurde das Institut 1984 in Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie umbenannt. Erfolge in der Entwicklungsgenetik führten dazu, dass 1992 das Fischhaus errichtet wurde, um die weltgrößte der für Forschungszwecke angelegten Zebrafischzuchten unterzubringen.

Damals war das Institut auf drei Gebäude aufgeteilt, die die Standards moderner Forschung nicht mehr erfüllten. 2005 wurde ein neues Gebäude errichtet, in dem vier der inzwischen sechs Abteilungen untergebracht sind. Das mit der Gründung des Friedrich-Miescher-Laboratoriums im Jahr 1970 entstandene Gebäude beherbergt zwei weitere Abteilungen und wurde parallel zur Errichtung des Neubaus komplett modernisiert. Die heutigen Gebäude bieten den Wissenschaftlern des Instituts ein hochmodernes Arbeitsumfeld, das den Vorstoß in ganz neue Forschungsgebiete ermöglicht.

Von der Forschergruppe zum Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Bau der Abteilung Reichardt als vierte Abteilung des MPI für Biologie im Jahr 1965. Grundteil des ersten Gebäudes des MPI für biologische Kybernetik.
Bau der Abteilung Reichardt als vierte Abteilung des MPI für Biologie im Jahr 1965. Grundteil des ersten Gebäudes des MPI für biologische Kybernetik.

Der Ursprung des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik liegt in der 1958 am Max-Planck-Institut für Biologie etablierten "Forschergruppe Kybernetik", die sich aus dem Zoologen Bernhard Hassenstein, dem technischen Physiker Hans Wenking und dem theoretischen Physiker Werner Reichardt zusammensetzte. Nach dem Weggang von Hassenstein im Jahr 1960 entstand daraus eine selbständige Abteilung unter der Leitung von W. Reichardt. Diese wurde zur Keimzelle des 1968 gegründeten Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik.

Der Forschungsschwerpunkt des Instituts liegt seit Anbeginn bei der Aufnahme und Verarbeitung von visueller Information im Nervensystem. Zunächst stand die Verhaltensanalyse des visuellen Systems von Insekten im Vordergrund. Fortschritte auf dem Gebiet der Perzeptionstheorie und Neuentwicklungen auf dem Gebiet der experimentellen Technologie haben dazu geführt, dass sich im Zuge von Neuberufungen der thematische Schwerpunkt des Instituts innerhalb der letzten fünfzehn Jahre in Richtung "Aufklärung von kognitiven Prozessen" verschoben hat.

Die beiden Abteilungen "Wahrnehmung, Kognition und Handlung" (gegründet 1993) und "Physiologie kognitiver Prozesse" (gegründet 1997) arbeiten mit einem komplementären methodischen Ansatz an der systemanalytischen Aufklärung von komplexen Leistungen im Gehirn von Primaten. Diese inhaltliche Ausrichtung des Instituts wurde im Jahr 2001 durch die Gründung der Abteilung "Empirische Inferenz" ergänzt. Mit der Fertigstellung der Institutserweiterung Mitte 2006 ist im Magnetresonanzzentrum eine vierte Abteilung entstanden.

40 Jahre exzellente Nachwuchsförderung am Friedrich-Miescher-Laboratorium

Das Friedrich-Miescher-Laboratorium (FML) wurde 1969 von der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gegründet. Es wurde nach dem Schweizer Mediziner Friedrich Miescher benannt, der vor 140 Jahren in Tübingen die DNA entdeckte. Mehrere bedeutende Wissenschaftler, darunter die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, forschten und arbeiteten hier. Es bietet herausragenden jungen Forschern die Möglichkeit, über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine Arbeitsgruppe aufzubauen, eigene Forschungsideen zu verwirklichen und damit eine unabhängige Karriere zu starten. In den vergangenen 40 Jahren haben am FML mehr als 25 Nachwuchsgruppen an verschiedenen biologischen Fragestellungen gearbeitet. Zurzeit forschen dort vier Nachwuchsgruppenleiter über die Speicherung und zuverlässige Vererbung der DNA sowie über Signalwege in Pflanzenzellen.