Rundreise durch das menschliche Gehirn

In Venedig startete in diesen Tagen die Ausstellung „Human Brains: It Begins with an Idea“, die Besucherinnen und Besuchern auf drei Etagen Rolle und Funktion des menschlichen Gehirns näherbringt. Die Max-Planck-Forscherin Li Zhaoping wurde ausgewählt, Teil der interaktiven Videoinstallation "The Conversation Machine" zu werden. Dabei handelt es sich um eine Orchestrierung von Videos und Interviews, in denen sie zusammen mit 35 anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt fachliche Standpunkte diskutiert.

Bildschirmwand in der Ausstellung „Human Brains: It Begins With an Idea“ © Fondazione Prada, Ph Marco Cappalletti

Das "Human Brains"-Projekt ist eine Initiative der Fondazione Prada.

Die Ausstellung wird von Udo Kittelmann, dem ehemaligen Direktor der Berliner Nationalgalerie, in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Künstlerin Taryn Simon betreut und von der Fondazione Prada veranstaltet. Sie erstreckt sich über drei Etagen des Ca' Corner della Regina, dem Sitz der Stiftung in Venedig, und ist das Ergebnis eines langen und tiefgreifenden Arbeitsprozesses, der von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet wurde.

Durch sich wechselseitig ergänzende Analysen und Standpunkte aus neurowissenschaftlicher, psychologischer und philosophischer Sicht erfasst die Videoinstallation unser heutiges Wissen zum menschlichen Gehirn. Dabei wird der Bogen thematisch auch zur KI-Forschung gespannt. Die Ausstellung ist Teil eines seit 2018 vorangetriebenen Projekts unter dem Namen „Human Brains“ unter Leitung der Fondazione Prada.

Zhaoping erörtert die Grenzen heutiger künstlicher Intelligenz, erläutert ethische Herausforderungen der KI-Forschung und diskutiert die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns: "Eine Fliege schafft es immer wieder, schneller wegzufliegen, als wir sie erwischen können. Wie gelingt ihr das? Fliegen haben ein kleines Gehirn, das darauf spezialisiert ist, reflexhaft auf äußere Reize zu reagieren. Wir Menschen hingegen haben ein großes Gehirn, das aber in der Lage ist, Reaktionen im Austausch mit unserer Außenwelt zielgerichtet zu regeln", erklärt sie.

Die Neuro- und Computerwissenschaftlerin leitet die Forschungsabteilung für sensorische und sensomotorische Systeme am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Li Zhaopings Forschung konzentriert sich auf die Entdeckung und das Verständnis, wie das Gehirn sensorische Signale aufnimmt und verarbeitet, um Körperbewegungen zu steuern und kognitive Entscheidungen zu treffen.

Genau zu diesem Thema wird der Besucher in der Ausstellung weiter begleitet: Es geht darum, die Komplexität des Gehirns aus den verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln und Einstellungen verstehen zu lernen. Dabei werden auch die noch offenen Chancen sowie Grenzen heutiger Forschung erfasst.

Mehr als 110 Ausstellungsstücke dokumentieren die jahrhundertelangen Versuche, das menschliche Gehirn zu verstehen. Dazu gehören historische Objekte, Zeichnungen, Gemälde, Drucke und Bücher, die einige der wichtigsten Etappen einer jahrtausendelangen Forschungsreise markieren. Zweiunddreißig internationale Schriftsteller haben außerdem literarische Texte zu den Objekten verfasst und verleihen den Exponaten damit zusätzliche Aussagekraft.

Die Ausstellung „Human Brains: It Begins with an Idea“ ist bis zum 27. November in der Fondazione Prada Venezia, Ca' Corner della Regina, Santa Croce 2215 in Venedig, Italien, zu besichtigen.