Rebekka Bernard

Doktorandin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Rebekka Bernard arbeitet als Doktorandin am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik (MPIBK).

Schon als Kind liebte sie es, zu experimentieren und zu beobachten: Ganz gleich, ob Schimmelpilzkulturen, Kaulquappen oder Herbarien – Biologie faszinierte sie. Als sie als Teenager ein Buch über Heilpflanzen und Toxikologie in die Hände bekam, war sie begeistert von der Wirkung verschiedener Stoffe auf den menschlichen Körper. Von da an wollte sie im Detail den Körper, seine Krankheiten und deren Behandlung verstehen. Dass sie sich dementsprechend nach dem Abitur für ein Studium der Pharmaceutical Sciences entschied, hat Rebekka Bernard nicht bereut. Im Studium faszinierte sie vor allem, wie dynamisch, komplex und vielfältig Wissenschaft ist und dass es nicht immer auf alles eine fertige Antwort gibt.

Rebekka Bernard weiß auch Umwege und Überraschungen in ihrem Werdegang zu schätzen. Dass sie zwischen Bachelor- und Masterstudium sowie zwischen Master- und Promotionsstudium jeweils ein Jahr lang Laborerfahrung sammelte, war eigentlich nicht Teil ihres ursprünglichen Plans. Die praktischen Erfahrungen aus dieser Zeit möchte sie aber nicht missen – und noch viel weniger die Erkenntnis, dass es immer alternative Wege gibt, solange man seine Ziele nicht aus den Augen verliert.

Aktuell liegen die Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit in der Erforschung von Zusammenhängen von Gehirnfunktionen, insbesondere des Zusammenspiels von Nervenaktivität und Blutfluss im Gehirn. Dazu nutzt sie Methoden wie funktionelle Magnetresonanztomographie, optische und spektroskopische Bildgebungsverfahren, Elektrophysiologie und Mikroskopie. Dass ihr alter Traum, ein neues Medikament zu finden, nicht so einfach zu realisieren ist, hat sie akzeptiert. Sie ist froh darüber, ihren Teil zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen zu können und ihrer wissenschaftlichen Neugier und Experimentierfreude nachgehen zu können. 

Interview mit Rebekka Bernard

Was waren die entscheidenden Momente in Deiner beruflichen Laufbahn? Wann und warum hast Du Dich für eine Karriere in der Wissenschaft entschieden?

Die ausschlaggebenden Momente, in denen ich entschieden habe in der Wissenschaft zu arbeiten, gab es nicht. Ich war schon früh naturwissenschaftlich interessiert und so gab es viele kleine Momente, die mich nach und nach in die Wissenschaft geführt haben.

Schon als Kind war ich an allem Naturwissenschaftlichen, und vor allem Biologischen, interessiert. Ich liebte es zu experimentieren und zu beobachten. Mit etwa acht Jahren bekam ich mein erstes Mikroskop und benutzte es intensiv. Ich experimentierte mit Schimmelpilzkulturen, beobachtete und dokumentierte Kaulquappen und Raupen in ihrer Entwicklung, legte Herbarien an und baute meinen eigenen wasser- und solarbetriebenen Mini-Stromgenerator. Dabei hatte ich das große Glück, dass sowohl meine Eltern als auch meine Lehrerin meine Neugierde und Experimentierfreude unterstützten. Zudem durfte ich meine Grundschulzeit an einer Montessori-Schule verbringen, an der meine Interessen intensiv gefördert wurden, wie auch selbstständiges Denken und Arbeiten.
An eine Situation als Teenager erinnere ich mich auch heute noch gut. Ich hatte mir ein Fachbuch über Phytopharmaka (Heilpflanzen) und Toxikologie gekauft und war wahnsinnig fasziniert von den pharmakologischen Erklärungen der Wirkungen all dieser diversen aber doch recht klar definierten Inhaltsstoffe. Von da an wollte ich ganz genau wissen, wie der (menschliche) Körper funktioniert, was eine Krankheit ausmacht und wie diese behandelt werden kann. Möglicherweise habe ich damals bereits unbewusst entschieden später mal Pharmazie zu studieren.
In der Kollegstufe (gymnasiale Oberstufe) hätte dann fast die Psychologie das Rennen gemacht, aber ein Semester Neurobiologie und Lebensmittelchemie haben mich dann doch überzeugt ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren. Kurzzeitig schwankte ich zwischen Medizin und Pharmazie, entschied mich dann aber doch für Pharmazie respektive Pharmaceutical Sciences und habe es bisher nie bereut.

Während meines Studiums hatte ich einen sehr guten Physiologie-/Pharmakologie-Professor, der uns schon früh in die wissenschaftliche Recherche wissenschaftlicher Publikationen einführte, sodass ich bald anfing Dutzende Publikationen zu verschlingen –  anfangs vor allem Übersichtsartikel (sogenannte Reviews), später auch Forschungsartikel, hauptsächlich über Neurophysiologie. Beeindruckt hat mich auch die Tatsache, dass er (anders als manch anderer Dozent) nicht vorgab allwissend zu sein, sondern auch zugab, wenn er auf eine Frage mal keine endgültige Antwort hatte bzw. nicht in jedem Detail auf dem allerneuesten Stand war. Er bot aber jedes Mal an, uns zu zeigen, wo wir die entsprechenden aktuellen Informationen recherchieren konnten. Dadurch wurde mir bereits von Anfang an bewusst, wie dynamisch, komplex und vielfältig Wissenschaft ist.
Der vielleicht entschiedenste Grund, warum ich mich für eine Karriere in der Wissenschaft entschieden habe war, dass ich einige Zeit als HiWi an der Uni im Pharmakologie-Labor arbeitete. In dieser Zeit habe ich mehr gelernt als in jeder Vorlesung. Der HiWi-Job zusammen mit meiner Arbeit in einem Labor, zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium, haben mir die Gewissheit gegeben, dass dies genau die Arbeit ist, die ich machen möchte.

Auf was für Hürden/Hindernisse bist Du auf Deinem Karriereweg gestoßen und wie hast Du diese überwunden?

Mein Studiengang Pharmaceutical Sciences war damals noch ziemlich neu und vieles noch nicht so gut organisiert und etabliert. Dann kamen gleich mehrere Gründe zusammen und ich konnte mein Bachelorstudium nicht, wie zunächst geplant, nach sechs Semestern abschließen und anschließend ohne Unterbrechung mit meinem Masterstudium beginnen. So fürchtete ich ein ganzes Jahr oder mehr zu verlieren. Aber dann entschied ich mich, ein Jahr voll in einem Labor zu arbeiten und schnell wurde klar, dass dieses eine Jahr kein verlorenes Jahr war, sondern eines meiner bisher beruflich wertvollsten.
Auch meine Masterarbeit lief nicht ganz glatt. Äußere Umstände führten dazu, dass sich meine Experimente zunächst stark verzögerten, und aus diesen und anderen Gründen konnte konnte mein Projekt nicht im vollen, ursprünglich geplanten Umfang durchführen. Letzten Endes legte meine Masterprüfung am allerletzten möglichen Termin ab. Als ich dann aber endlich mein Studium abgeschlossen hatte und das auch noch als eine der Besten, war ich mehr als froh, es durchgezogen zu haben.
Neben den zusätzlichen wertvollen fachlichen Erfahrungen, die ich während diesen Extra-Zeiten gesammelt habe, habe ich auch gelernt, dass nicht immer alles nach Plan läuft, dass man manchmal Rückschläge oder Enttäuschungen erlebt, man manchmal mit unerwarteten Schwierigkeiten oder beeinträchtigenden Situationen, auf die man keinen Einfluss hat, konfrontiert wird. Vor allem aber, dass es immer Alternativen gibt und diese manchmal sogar besser sind, als der ursprüngliche Plan und solange man sein übergeordnetes Ziel nicht aus den Augen verliert, es immer Wege gibt.

Was war Deine Motivation, ein naturwissenschaftliches Studium / einen Beruf zu ergreifen?

Grundsätzlich das tiefe Interesse und die Neugierde dafür, wie Dinge funktionieren, ganz besonders der Körper. Darauf aufbauend hoffe ich, mit meiner Arbeit zu Fortschritten im medizinischen Bereich beitragen zu können und damit anderen zu helfen.
Meine berufliche Traumvorstellung war schon früh, ein neues Medikament gegen eine Krankheit (Schwerpunkt Neurologie oder Immunologie) zu entwickeln. Heute weiß ich, dass dies nicht so einfach ist, wie ich es mir früher vorgestellt habe, ich aber zumindest an der Entwicklung neuer Medikamente mitwirken kann.

Wie stellst Du Dir Deinen weiteren beruflichen Werdegang vor?
(und wie kollidieren diese Vorstellungen möglicherweise mit Deinem Privatleben z.B. Familie/Kinder)

Mittel- und langfristig beabsichtige ich im Bereich R&D zu arbeiten. R&D steht für Research & Development, also Forschung und Entwicklung, vor allem in der pharmazeutischen, aber auch biomedizinischen und biotechnologischen Industrie.

Grundsätzlich könnte ich mir auch vorstellen, an einer Universität oder einem Forschungsinstitut zu arbeiten, aber leider hat man kaum eine Chance, einen längeren oder sogar unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Mit dieser Unsicherheit lässt sich keine Zukunft planen.
In der freien Wirtschaft gibt es ein deutlich breitgestreuteres Jobangebot und die Arbeitsvertragsbedingungen sind oft besser, gleichzeitig ist man aber weniger frei in seiner Forschung, da vor allem der Outcome beziehungsweise das Endprodukt zählt. Was aber auch von Vorteil sein kann, da das Ziel besser greifbar ist.

Natürlich mache ich mir auch Gedanken über Familie und Kinder. Meine Arbeit beinhaltet neben Datenanalysen auch viel Laborarbeit. Da man als Schwangere aber viele Experimente aus Sicherheitsgründen nicht machen darf, würde ein Kind zu bekommen bedeuten, etwa ein Jahr oder mehr meine normale Arbeit, wie ich sie derzeit mache, nicht in vollem Umfang durchführen zu können. Das wissen auch Arbeitgeber; ob dies aber tatsächlich eine Rolle bei der Jobsuche spielt, weiß ich nicht.

Bezüglich dessen, dass wir Familie, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen können, bin ich einigermaßen zuversichtlich. Im Idealfall hoffe ich, auf familiäre Unterstützung zurückgreifen zu können. Aber auch falls nicht, erwarte ich, dass die häufig etwas flexibleren Arbeitszeiten in der Wissenschaft ein Familienleben und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen werden.

Was würdest Du anderen Frauen empfehlen, die einen ähnlichen Weg gehen wollen?

Lasst euch nicht von der zum Glück mittlerweile veralteten Vorstellung abhalten, naturwissenschaftliche Berufe seien männerdominiert und deswegen für Frauen nicht geeignet oder nicht empfehlenswert. Zugegeben, ich habe mehr männliche als weibliche Kollegen, trotzdem empfinde ich deshalb keinerlei Nachteile. Das Entscheidende ist, dass man sich in seiner Arbeitsumgebung wohlfühlt –  mit seinen Kollegen und Vorgesetzten sowie den Arbeitsbedingungen.

Außerdem möchte ich jede dazu ermutigen, zu ihren Interessen zu stehen, neugierig zu sein, Fragen zu stellen und sich nicht zu verstecken. Lange Zeit wollte ich es nicht wahrhaben, aber berufliche Beziehungen wie auch Referenzen spielen eine wichtige Rolle. Beispielsweise bereits als Studentin durch aufrichtiges Interesse, Neugierde und Engagement einen Fuß in eine Forschungsgruppe oder eine Firma zu bekommen kann später sehr hilfreich sein.