Stephanie Bertenbreiter

Wissenschaftskommunikation am Max-Planck-Campus Tübingen

Wege in die Wissenschaftskommunikation
Stephanie Bertenbreiter stellt sich vor

Stephanie Bertenbreiter arbeitet seit zehn Jahren in der Wissenschaftskommunikation am Max-Planck-Campus in Tübingen. Überwiegend betreut sie das Veranstaltungsmanagement und die interne Kommunikation für die Institute und wissenschaftlichen Einrichtungen am Max-Planck-Campus Tübingen, unterstützt aber auch deren Public Outreach.

Nach ihrem Abitur studierte sie Biologie und konnte währenddessen bereits erste berufliche Erfahrungen sammeln. Anschließend absolvierte sie am Max-Planck-Campus Tübingen ein zweijähriges Volontariat zur wissenschaftlichen Pressereferentin. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und unterstützt im Team der Campus-Kommunikation die Darstellung der wissenschaftlichen Abteilungen und Forschungsgruppen nach innen wie nach außen.

Für sie gab es nie den einen Moment, der sie dazu bewegte, als Wissenschaftlerin oder in einem wissenschaftsnahen Aufgabenfeld zu arbeiten. Ihre Erkenntnisse entwickelten sich vielmehr allmählich. Nach ihrem Studium stand fest, dass sie in die Wissenschaftskommunikation wechseln wolle. Forschung ja, aber nicht ausschließlich. Den Umgang mit Kolleg*innen erlebte sie vielschichtig und nicht immer einfach, aber sie habe auch daraus gelernt.

Ob sie etwas anders machen würde? Vieles lässt sich planen, aber das Leben entscheidet sich manchmal dann doch ganz anders, wie sie meint. Wenn ihre Kinder älter und selbständiger werden, wird es ihre Flexibilität erlauben, sich wieder mehr ihrer beruflichen Leidenschaft zu widmen. Ihr Motto: „Macht etwas, das euch Spaß macht und für das ihr brennt. Denn nur dann steht ihr dahinter und könnt auch mal schwierige Phasen überstehen. Schwierige Phasen gehören genauso dazu, wie die guten.“

 

Interview mit Stephanie Bertenbreiter

WAS WAREN DIE ENTSCHEIDENDEN MOMENTE IN DEINER BERUFLICHEN LAUFBAHN?

Bei mir gab es nie „diesen einen Moment“. Es waren meine Vorlieben, Entscheidungen und Erkenntnisse, die sich über die Jahre entwickelten und immer weiterentwickeln. Ich war immer sehr naturwissenschaftlich interessiert – nicht unbedingt an den Schulfächern – aber privat beschäftigte ich mich viel damit.
Ich fand Wissenschaftskommunikation sehr spannend. Man riet mir jedoch ab, Kommunikationswissenschaften zu studieren. Ich sollte lieber den Weg über die Naturwissenschaften gehen. Das tat ich.

AUF WAS FÜR HÜRDEN/HINDERNISSE BIST DU AUF DEINEM KARRIEREWEG GESTOSSEN UND WIE HAST DU DIESE ÜBERWUNDEN

Im Verlauf meiner Karriere gab es einige Hürden und Hindernisse: Nicht die richtige Finanzierung, nicht die passende Position, Ränkespiele und auch sexualisierte Diskriminierung. Schwierige Phasen gehören einfach dazu und es gilt sie zu überwinden, daraus zu lernen und besser daraus hervorzugehen.
Ich habe Biologie studiert, mit einem Schwerpunkt in der chemischen Ökologie. Eine bezahlte Doktorarbeit war sehr schwer zu finden. Meist musste man sich selbst um die Finanzierung kümmern. Nach meinem Studium wollte ich diese Doppelbelastung nicht länger. So wandte ich mich bereits vor meiner Promotion jenen Zielen zu, welche ich erst danach verfolgen wollte und fand auch sofort eine Stelle im Bereich der Wissenschaftskommunikation.

Wie gesagt, auch Ränkespiele, Intrigen oder unangebrachte sexualisierte Kommentare erlebte ich im Verlauf meiner Karriere immer wieder. Nach und nach habe ich jedoch gelernt, damit umzugehen. Ich spreche es direkt an oder hole mir auch gegebenenfalls Hilfe bei Vertrauenspersonen. Das finde ich aus zwei Gründen sehr wichtig: (1) Oft ist dem Gegenüber gar nicht bewusst, dass ihr oder sein Verhalten unangebracht war. Man sollte den Menschen die Möglichkeit geben, ihr Verhalten zu überdenken. (2) Für das eigene Wohlbefinden und eine gute Arbeitsatmosphäre ist es wichtig, Dinge offen anzusprechen, damit sie nicht schlummernd und nagend zu einem größeren Problem werden.

WAS WAR DEINE MOTIVATION, EIN/EN NATURWISSENSCHAFTLICHES STUDIUM / BERUF ZU ERGREIFEN?

Als Kind hatte ich andere – sehr romantische und abenteuerliche – Vorstellungen. Ich wollte Tieren helfen und sie beschützen, wie Jane Goodall unter ihnen leben. Meine Eltern haben mich in meinem Wunsch immer unterstützt und bestärkt. Mich hat alles, was Naturwissenschaften anging – ganz profan – einfach interessiert und Spaß gemacht!
Mit der Zeit wandelte sich der Wunsch. Er wurde konstruktiver. Ich begann pragmatischer zu denken. Vor allem die Ökologie interessierte mich. Aber ich habe auch immer gerne geschrieben. Und Projektarbeit machte Spaß. Ich suchte nach Möglichkeiten all das zu kombinieren, wenn mir auch lange nicht ganz klar war, wie genau.
Fest stand, dass ich etwas im Bereich der Naturwissenschaften machen wollte. Vorzugsweise Verhaltensforschung oder Ökologie. Oder vielleicht doch Neurologie? Obwohl ich mich in einem Forschungsumfeld unglaublich wohlfühle, war die reine Forschung nichts für mich.

WIE STELLST DU DIR DEINEN WEITEREN BERUFLICHEN WERDEGANG VOR?

Wie sagte einst John Lennon: „Life is what happens, while you are busy making other plans!“
Ich hatte immer Pläne und Vorstellungen. Doch das Leben läuft nicht immer nach Plan. Es spielen immer viele Faktoren mit hinein. Prioritäten ändern sich, die Umstände ändern sich und manchmal tun sich Möglichkeiten auf, die man selbst gar nicht bedacht hatte.
Derzeit bin ich sehr glücklich mit meiner Situation und meiner Position. Daher harmonieren derzeit meine beruflichen Vorstellungen sehr gut mit meinem Privatleben. Langfristig würde ich gerne wieder mehr arbeiten. Desto älter und selbständiger meine Kinder werden, desto mehr Freiheiten bekomme auch ich zurück. Diese würde ich sehr gerne zeitlich wieder in meinen Beruf investieren.

WAS WÜRDEST DU ANDEREN FRAUEN EMPFEHLEN, DIE EINEN ÄHNLICHEN WEG GEHEN WOLLEN UND WAS WÜRDEST DU IM RÜCKBLICK HEUTE ANDERS MACHEN?

Meine Empfehlungen gelten eigentlich für alle ungeachtet des Geschlechts oder der Berufswahl: Macht etwas, das euch Spaß macht und für das ihr brennt. Denn nur dann steht ihr dahinter und könnt auch mal schwierige Phasen überstehen. Schwierige Phasen gehören genauso dazu, wie die guten. Wichtig ist, dass man sich diesen Situationen stellt, lernt damit umzugehen, sie überwindet und weitergeht. Behandelt andere Menschen stets so, wie ihr hofft, selbst behandelt zu werden. Dann ist eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen gesichert.
Rückblickend würde ich wenig anders machen. In den schwierigen Phasen hinterfrage ich meine Entscheidungen natürlich auch. Grundsätzlich bin ich jedoch glücklich und zufrieden. Hätte ich etwas anders gemacht, wer weiß, wo ich heute wäre? Vielleicht wäre ich an einer anderen Einrichtung, in einer anderen Position, mit einer anderen Familie glücklich und zufrieden – vielleicht aber auch nicht.